03.09.2011 - 23:30
Schweizer Pilot-Studie SWiNG belegt: Systematische Stressintervention steigert Produktivität und reduziert Absenzen
Bern, 4. September 2011.
Gezielte Stressintervention ist möglich: Bei jedem vierten
Arbeitnehmenden zeigen Präventionsmassnahmen klare Wirkung – der
Stresslevel sinkt, die Produktivität steigt. Dies belegt eine
grossangelegte Pilot-Studie von Gesundheitsförderung Schweiz und dem
Schweizerischen Versicherungsverband in acht Schweizer Grossbetrieben,
die den Erfolg verschiedener Stresspräventions-Massnahmen während 2,5
Jahren in der Praxis getestet hat.
Die von Gesundheitsförderung Schweiz und dem Schweizerischen Versicherungsverband SVV im Jahr 2008 initiierte Pilot-Studie SWiNG – der Name steht für Stressmanagement, Wirkung und Nutzen betrieblicher Gesundheitsförderung – untersuchte einerseits Stressursachen sowie die negativen Folgen von Stress; andererseits wurden die Wirkungsweise und der ökonomische Nutzen von verschiedenen Präventionsmassnahmen analysiert. Dafür wurde SWiNG in acht Testbetrieben, darunter ABB Turbo Systems, Nestlé Suisse und dem Spital Riviera am Genfersee, über einen Zeitraum von 2,5 Jahren umgesetzt und evaluiert. Die wissenschaftliche Evaluation wurde von der Abteilung Gesundheitsforschung und Betriebliches Gesundheitsmanagement des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich und dem Zentrum für Organisations- und Arbeitswissenschaften der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit dem Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften durchgeführt.
Höhere Produktivität und weniger Absenzen
Bei 25 Prozent der über 5000 an der Studie beteiligten Mitarbeitenden zeigten die getesteten Interventionen nachweislich Wirkung: Sie fühlten sich eindeutig aufgrund der SWiNG-Intervention weniger gestresst. Für die Unternehmen bedeuten die gesünderen Mitarbeitenden einen Erfolg auf der ganzen Linie, denn die Evaluation zeigt, dass Personen mit einem hohen Stresslevel um bis zu 10 Prozent weniger produktiv sind als Mitarbeitende mit einer ausgeglichenen Belastung. Dieser Produktivitätsunterschied kostet Unternehmen bares Geld: In den untersuchten Betrieben bis zu CHF 8000 pro Jahr und betroffenem Mitarbeitenden. Gleichzeitig konnte durch die Intervention die Anzahl der Fehltage bei den Personen mit der höchsten Stressbelastung um 1.7 Tage pro Jahr und Mitarbeitenden gesenkt werden. Dies entspricht bei den SWiNG-Betrieben einer durchschnittlichen Ersparnis von CHF 600 pro Mitarbeitenden und Jahr.
Die SWiNG-Studie zeigt die negativen Folgen für Unternehmen ohne wirksame Stressprävention deutlich auf. Aber auch der einzelne Betroffene leidet unter der Belastungssituation: So wären 20 Prozent der am meisten gestressten Mitarbeitenden der SWiNG-Studie bereit, auf durchschnittlich CHF 530 Lohn im Monat zu verzichten, um weniger Stress zu haben.
Return-on-Investment nach fünf Jahren
Das Kosten-Nutzen-Verhältnis von SWiNG fällt über alle Betriebe und Mitarbeitenden positiv aus: Die finanziellen und personellen Aufwendungen für die im Rahmen von SWiNG durchgeführte Stressintervention beliefen sich für den Studienzeitraum von 2,5 Jahren auf ein Total von CHF 755 pro Mitarbeitenden. Der durchschnittliche jährliche monetäre Nutzen pro Beschäftigtem wird nach Abschluss der Interventionen auf CHF 195 beziffert. Somit erreichen die Unternehmen den Return-on-Investment ihres Präventionsprogramms spätestens nach fünf Jahren.
Entscheidend für den Erfolg: Analyse und Massnahmen-Mix
Am Anfang jeder erfolgreichen Intervention steht die detaillierte Analyse der Ist-Situation. Gesundheitsförderung Schweiz und der SVV haben dazu im Rahmen der Pilot-Studie mit dem Online-Fragebogen S-Tool ein einfaches Mittel entwickelt, welches kombiniert mit Interviews und Beobachtungen, sowie der Analyse verschiedener Kennzahlen des Betriebs angewendet wird. Der Fragebogen gibt einen detaillierten Einblick in die Stressverteilung im Betrieb auf den Ebenen Team, Abteilung und Unternehmen. Die Auswertung der Befragung identifiziert frühzeitig sogenannte Stress-Hot-Spots. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhält unmittelbar im Anschluss an die Befragung eine Auswertung der persönlichen Belastungssituation mit individuellem Feedback und Tipps für das Stressmanagement.
Die Pilot-Studie hat gezeigt, dass es bei Stressinterventionen auf den richtigen Mix ankommt: Erst gemeinsam entfalten die Einzel-Interventionen ihre volle Wirkung. Das Gesamtpaket der Massnahmen umfasst:
Für weitere Auskünfte zur Pilot-Studie SWiNG oder Fragen zur betrieblichen Gesundheitsförderung steht Ihnen die Medienstelle von Gesundheitsförderung Schweiz per E-Mail an oder telefonisch unter 031 350 04 04 zur Verfügung. Als Ansprechperson des SVV steht Ihnen Heinz Roth unter oder unter der Telefonnummer 079 815 07 69 zur Verfügung.
Eine detaillierte Präsentation der SWiNG-Ergebnisse findet im Rahmen der jährlichen Nationalen Tagung zur betrieblichen Gesundheitsförderung am 7. September 2011 in St. Gallen statt. Mehr Informationen und Anmeldung unter www.gesundheitsfoerderung.ch/tagung.
Weitere Informationen:
www.gesundheitsfoerderung.ch/swing
www.gesundheitsfoerderung.ch/s-tool
Die SWiNG-Betriebe
Am Pilotprojekt SWiNG haben sich acht Grossunternehmen beteiligt: die Unternehmen ABB Turbo Systems AG, ABB Schweiz AG, Zentrale Funktionen, Alstom Field Service Centre Schweiz, Alstom Rotorenfabrik und Nestlé Suisse SA, die Spitäler Hôpital Riviera und Klinik Barmelweid sowie die Kantonale Verwaltung Thurgau. Diese Betriebe sind Pioniere im Bereich der Stressprävention und haben durch ihr Engagement massgeblich zum Erfolg des innovativen Projekts beigetragen.
Die Interventionen und Programme wurden vor Ort in den Pilotbetrieben durch drei externe Anbieterfirmen im Bereich Betriebliche Gesundheitsförderung umgesetzt und begleitet: das Institut für Arbeitsmedizin (ifa), das Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob) sowie die vivit gesundheits ag. An der Entwicklung des Analyseinstruments S-Tool war das Institut für Arbeitsmedizin (ifa) und die Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie des Instituts für Psychologie der Universität Bern beteiligt.
Gesundheitsförderung Schweiz
Gesundheitsförderung Schweiz ist eine Stiftung, die von Kantonen und Versicherern getragen wird. Mit gesetzlichem Auftrag initiiert, koordiniert und evaluiert sie Massnahmen zur Förderung der Gesundheit (Krankenversicherungsgesetz, Art. 19). Die Stiftung unterliegt der Kontrolle des Bundes. Oberstes Entscheidungsorgan ist der Stiftungsrat. Die Geschäftsstelle besteht aus Büros in Bern und Lausanne. Jede Person in der Schweiz leistet einen jährlichen Beitrag von CHF 2.40 zugunsten von Gesundheitsförderung Schweiz, der von den Krankenversicherern eingezogen wird.
Der Schweizerische Versicherungsverband
Dem Schweizerischen Versicherungsverband SVV gehören 74 Versicherungsgesellschaften an, wovon einige untereinander in Konzerngruppen verbunden sind. Auf die SVV-Mitgliedsgesellschaften entfallen über 95% der am Schweizer Markt erwirtschafteten Prämien der Privatversicherer.
Die von Gesundheitsförderung Schweiz und dem Schweizerischen Versicherungsverband SVV im Jahr 2008 initiierte Pilot-Studie SWiNG – der Name steht für Stressmanagement, Wirkung und Nutzen betrieblicher Gesundheitsförderung – untersuchte einerseits Stressursachen sowie die negativen Folgen von Stress; andererseits wurden die Wirkungsweise und der ökonomische Nutzen von verschiedenen Präventionsmassnahmen analysiert. Dafür wurde SWiNG in acht Testbetrieben, darunter ABB Turbo Systems, Nestlé Suisse und dem Spital Riviera am Genfersee, über einen Zeitraum von 2,5 Jahren umgesetzt und evaluiert. Die wissenschaftliche Evaluation wurde von der Abteilung Gesundheitsforschung und Betriebliches Gesundheitsmanagement des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich und dem Zentrum für Organisations- und Arbeitswissenschaften der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit dem Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften durchgeführt.
Höhere Produktivität und weniger Absenzen
Bei 25 Prozent der über 5000 an der Studie beteiligten Mitarbeitenden zeigten die getesteten Interventionen nachweislich Wirkung: Sie fühlten sich eindeutig aufgrund der SWiNG-Intervention weniger gestresst. Für die Unternehmen bedeuten die gesünderen Mitarbeitenden einen Erfolg auf der ganzen Linie, denn die Evaluation zeigt, dass Personen mit einem hohen Stresslevel um bis zu 10 Prozent weniger produktiv sind als Mitarbeitende mit einer ausgeglichenen Belastung. Dieser Produktivitätsunterschied kostet Unternehmen bares Geld: In den untersuchten Betrieben bis zu CHF 8000 pro Jahr und betroffenem Mitarbeitenden. Gleichzeitig konnte durch die Intervention die Anzahl der Fehltage bei den Personen mit der höchsten Stressbelastung um 1.7 Tage pro Jahr und Mitarbeitenden gesenkt werden. Dies entspricht bei den SWiNG-Betrieben einer durchschnittlichen Ersparnis von CHF 600 pro Mitarbeitenden und Jahr.
Die SWiNG-Studie zeigt die negativen Folgen für Unternehmen ohne wirksame Stressprävention deutlich auf. Aber auch der einzelne Betroffene leidet unter der Belastungssituation: So wären 20 Prozent der am meisten gestressten Mitarbeitenden der SWiNG-Studie bereit, auf durchschnittlich CHF 530 Lohn im Monat zu verzichten, um weniger Stress zu haben.
Return-on-Investment nach fünf Jahren
Das Kosten-Nutzen-Verhältnis von SWiNG fällt über alle Betriebe und Mitarbeitenden positiv aus: Die finanziellen und personellen Aufwendungen für die im Rahmen von SWiNG durchgeführte Stressintervention beliefen sich für den Studienzeitraum von 2,5 Jahren auf ein Total von CHF 755 pro Mitarbeitenden. Der durchschnittliche jährliche monetäre Nutzen pro Beschäftigtem wird nach Abschluss der Interventionen auf CHF 195 beziffert. Somit erreichen die Unternehmen den Return-on-Investment ihres Präventionsprogramms spätestens nach fünf Jahren.
Entscheidend für den Erfolg: Analyse und Massnahmen-Mix
Am Anfang jeder erfolgreichen Intervention steht die detaillierte Analyse der Ist-Situation. Gesundheitsförderung Schweiz und der SVV haben dazu im Rahmen der Pilot-Studie mit dem Online-Fragebogen S-Tool ein einfaches Mittel entwickelt, welches kombiniert mit Interviews und Beobachtungen, sowie der Analyse verschiedener Kennzahlen des Betriebs angewendet wird. Der Fragebogen gibt einen detaillierten Einblick in die Stressverteilung im Betrieb auf den Ebenen Team, Abteilung und Unternehmen. Die Auswertung der Befragung identifiziert frühzeitig sogenannte Stress-Hot-Spots. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhält unmittelbar im Anschluss an die Befragung eine Auswertung der persönlichen Belastungssituation mit individuellem Feedback und Tipps für das Stressmanagement.
Die Pilot-Studie hat gezeigt, dass es bei Stressinterventionen auf den richtigen Mix ankommt: Erst gemeinsam entfalten die Einzel-Interventionen ihre volle Wirkung. Das Gesamtpaket der Massnahmen umfasst:
- Analyse mit S-Tool: Die Stressverteilung im Betrieb ist klar, die Richtung der Intervention kann definiert werden.
- Schulung der Führungskräfte: Sie sind die Schlüsselpersonen im Prozess und müssen erkennen, wann krankmachende Belastungssituationen bei einzelnen Mitarbeitenden oder ganzen Teams vorliegen und was sie dagegen tun können.
- Reflexion der Stresssituation im Team, mit dem Ziel, Stress zu enttabuisieren und gemeinsam die Arbeitsorganisation zu verbessern.
- individuelle Stressmanagement-Kurse für Betroffene, mit welchen auf Ebene der einzelnen Mitarbeitenden ein deutlicher Kompetenzgewinn im Umgang mit Stress-Situationen erreicht wurde.
Für weitere Auskünfte zur Pilot-Studie SWiNG oder Fragen zur betrieblichen Gesundheitsförderung steht Ihnen die Medienstelle von Gesundheitsförderung Schweiz per E-Mail an oder telefonisch unter 031 350 04 04 zur Verfügung. Als Ansprechperson des SVV steht Ihnen Heinz Roth unter oder unter der Telefonnummer 079 815 07 69 zur Verfügung.
Eine detaillierte Präsentation der SWiNG-Ergebnisse findet im Rahmen der jährlichen Nationalen Tagung zur betrieblichen Gesundheitsförderung am 7. September 2011 in St. Gallen statt. Mehr Informationen und Anmeldung unter www.gesundheitsfoerderung.ch/tagung.
Weitere Informationen:
www.gesundheitsfoerderung.ch/swing
www.gesundheitsfoerderung.ch/s-tool
Die SWiNG-Betriebe
Am Pilotprojekt SWiNG haben sich acht Grossunternehmen beteiligt: die Unternehmen ABB Turbo Systems AG, ABB Schweiz AG, Zentrale Funktionen, Alstom Field Service Centre Schweiz, Alstom Rotorenfabrik und Nestlé Suisse SA, die Spitäler Hôpital Riviera und Klinik Barmelweid sowie die Kantonale Verwaltung Thurgau. Diese Betriebe sind Pioniere im Bereich der Stressprävention und haben durch ihr Engagement massgeblich zum Erfolg des innovativen Projekts beigetragen.
Die Interventionen und Programme wurden vor Ort in den Pilotbetrieben durch drei externe Anbieterfirmen im Bereich Betriebliche Gesundheitsförderung umgesetzt und begleitet: das Institut für Arbeitsmedizin (ifa), das Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob) sowie die vivit gesundheits ag. An der Entwicklung des Analyseinstruments S-Tool war das Institut für Arbeitsmedizin (ifa) und die Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie des Instituts für Psychologie der Universität Bern beteiligt.
Gesundheitsförderung Schweiz
Gesundheitsförderung Schweiz ist eine Stiftung, die von Kantonen und Versicherern getragen wird. Mit gesetzlichem Auftrag initiiert, koordiniert und evaluiert sie Massnahmen zur Förderung der Gesundheit (Krankenversicherungsgesetz, Art. 19). Die Stiftung unterliegt der Kontrolle des Bundes. Oberstes Entscheidungsorgan ist der Stiftungsrat. Die Geschäftsstelle besteht aus Büros in Bern und Lausanne. Jede Person in der Schweiz leistet einen jährlichen Beitrag von CHF 2.40 zugunsten von Gesundheitsförderung Schweiz, der von den Krankenversicherern eingezogen wird.
Der Schweizerische Versicherungsverband
Dem Schweizerischen Versicherungsverband SVV gehören 74 Versicherungsgesellschaften an, wovon einige untereinander in Konzerngruppen verbunden sind. Auf die SVV-Mitgliedsgesellschaften entfallen über 95% der am Schweizer Markt erwirtschafteten Prämien der Privatversicherer.
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